Deine letzte Chance wenn du…

Deine letzte Chance, wenn du doch fährst

Wenn du dich trotz des Risikos entscheidest, mit deiner Familie ins Ausland zu fahren, dann triff vor deiner Abreise Vorsichtsmaßnahmen für den Notfall!


1. Vertraue dich jemandem an

Jemand sollte wissen, dass du dir Sorgen machst. Sprich am besten in der Schule (Lehrer/-in, Schulsozialarbeiter/-in), am Arbeitsplatz (Ausbilder/-in) oder im Jugendamt über deine Befürchtungen. Wenn dir keine Erwachsenen einfallen, denen du vertraust, sprich zumindest mit einer Freundin oder einem Freund! Nimm nicht einfach ein Familienmitglied oder eine Person, die deine Familie kennt, sie könnten im Ernstfall unter Druck gesetzt werden.

Folgendes sollte deine Vertrauensperson wissen:
  • wann deine Familie plant, aus dem Urlaub zurück zu kommen
  • deine Adresse im Ausland
  • wie man dich erreichen kann z.B. deine Handynummer und/oder E-Mail-Adresse
  • dass sie sich an uns unter verschleppung@papatya.org wenden kann, wenn sie sich Sorgen um dich macht oder wenn du nicht wie geplant zurück kommst
  • Verabrede ein Codewort mit deiner Vertrauensperson. So kannst du ihr verdeckt mitteilen, wenn sich deine Befürchtungen bewahrheitet haben.
  • Gib deiner Vertrauensperson vor deiner Abreise deine Aufzeichnungen (siehe Punkt 2), deine gesicherten Dokumente (siehe Punkt 3) und deine ausgefüllten Formulare (siehe Punkt 4).

Freundinnen umarmen einander

2. Schreib deine Situation auf

  • Wie heißt du, wann bist du geboren?
  • Wie lautet deine Handy-Nummer und/oder E-Mail-Adresse?
  • Wann verreist du und wohin? Wann ist der geplante Rückflug?
  • Bei wem wirst du voraussichtlich wohnen? (Namen und Adresse)
Schreib außerdem auf, was du befürchtest:
  • Wovor hast du Angst?
  • Wieso denkst du, dass du im Ausland gegen deinen Willen verheiratet oder zurückgelassen werden könntest?
  • Was ist passiert oder was denkst du wird passieren?
  • Welche Alarmzeichen hast du gesehen oder gehört?
Hefte und Stift

3. Kopiere und sichere deine Dokumente

Falls dir im Ausland deine Dokumente weggenommen werden, können Kopien von großem Nutzen sein. Behalte diese Ersatz-Dokumente heimlich bei dir und hinterlasse sie auch bei deiner Vertrauensperson.

Kopiere, scanne oder fotografiere deinen Pass, deine Aufenthaltserlaubnis (wenn auf dich zutreffend) und dein Flugticket.
Speichere deine Dokumente online. Viele Anbieter bieten gratis Online Speicher (z.B. OneDrive von Microsoft, GoogleDrive von Google, iCloud von Apple oder Dropbox) oder nimm deine Dokumente auf einem USB-Stick gespeichert gut versteckt mit.

Pass und USB-Stick

4. Hinterlasse eine Vollmacht und eidesstattliche Versicherung

Fülle die hier downloadbaren Formulare aus und hinterlasse sie für alle Fälle unterschrieben bei deiner Vertrauensperson.

Wenn du im Ausland festgehalten wirst, kann eine bereits unterschriebene Vollmacht für eine Rechtsanwältin nützlich sein. Damit kann sie dich in deinem Namen vertreten und eventuell rechtliche Schritte für dich einlegen.
Formular „Vollmacht“

Falls es zu einem Gerichtsverfahren kommt, wirkt die eidesstattliche Versicherung anstelle einer persönlichen Aussage von dir. Schreibe deshalb so genau wie möglich deine Situation und Befürchtungen auf.
Formular „Eidesstattliche Versicherung“

Stift

5. Schaff ein Prepaid-Handy an und nimm Geld mit

Für dich kann es lebensrettend sein, dass du jemanden anrufen kannst.

Besorge dir ein Extra-Handy (Sim-lock frei), damit du aus dem Ausland anrufen kannst und verstecke es für den Fall, dass dir dein eigenes Handy weggenommen wird.
Wenn du Geld bei dir hast, kannst du damit ein Taxi, den Bus oder im Internetcafé bezahlen.

Handy und SIM-Karten

6. Schreib dir die Adresse der deutschen Botschaft auf

Wenn du einen deutschen Pass hast, ist die deutsche Botschaft für dich zuständig. Aber auch, wenn du einen gültigen Aufenthalt in Deutschland hast oder hattest, kann sie hilfreich sein.

Finde heraus, welche deutsche Auslandsvertretung deinem Ort am nächsten ist (siehe Liste des Auswärtigen Amts) und schreibe dir Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer und E-Mail-Adresse auf. Du kannst dir mit einem Routenplaner die kürzeste Route dorthin heraussuchen.

Gehe niemals spontan zu einer Botschaft. Die Botschaft braucht immer Zeit, um deinen Fall zu bearbeiten und eventuell Ersatzpapiere zu beschaffen. Versuche zuerst telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufzunehmen.

Deutschland-Adler und EU-Flagge

7. Lass dich beraten

Wenn du weitere Fragen hast oder noch immer unsicher bist was du jetzt tun sollst kannst du jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen und dich beraten lassen.

Frau mit Fragen